Wenn Familie nervt – und warum das völlig normal ist

Mirabeau-Magazin - Lifestyle-Magazin für die Frau Frauenmagazin Frauenzeitschrift Mode Fashion Beauty Kosmetik Leben Partnerschaft Liebe Ernährung

Liebe Familie, schön, dass es euch gibt – außer eben dann, wenn ihr in eurem natürlichen Lebensraum auftretet: als grenzenlose Geduldsprobe. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der innigste Zusammenhalt manchmal im kollektiven Augenrollen endet. Und ja, das ist nicht nur normal, sondern nahezu der Ausgangszustand moderner Familienbeziehungen. Ob man will oder nicht, spätestens beim dritten Ratschlag zum Lebensstil oder bei der Diskussion über den angemessenen Zeitpunkt für das erste Kind merkt man, dass das mit dem „größten Halt“ und „größten Trigger“ keine Übertreibung ist.

Der wohlige Albtraum der Familienzusammenkunft

Kennen Sie das? Man denkt, Harmonie am Esstisch wäre mit einem festlichen Braten garantiert – nur um dann inmitten einer hitzig geführten Debatte über Impfungen, Gendersternchen oder (Gott bewahre!) Veganer im Familienkreis zu sitzen. Die Familie ist eben eine dieser Institutionen, in denen Liebe, Loyalität und ein unerschöpfliches Reservoir an Erwartungen aufeinandertreffen. Kein Wunder, wenn selbst der erfahrenste Beziehungsgymnast da hin und wieder die Nerven verliert.

Warum uns das eigene Rudel manchmal regelrecht wahnsinnig macht

Zwischen „Wir meinen es doch nur gut“ und „Du willst doch nicht so werden wie deine Cousine“ gibt es einen schmalen Grat. Die Herausforderung ist offensichtlich: Familie kennt einen besser als man selbst. Zumindest behauptet sie das voller Überzeugung, wenn sie vorwurfsvoll anmerkt, dass man schon als Kind stur war oder das Essen immer zu salzig würzt. Zwischen den Zeilen herrscht dabei der subtile Kampf um den Titel der unausgesprochenen Familiennorm. Und wehe, jemand wagt es, den internen Kodex zu brechen – dann wird aus dem gemütlichen Familienabend schnell eine Fortbildung in passiv-aggressiver Kommunikation.

Schuldgefühle – das geheime Familienrezept

Verwunderlich, dass Familienbande statt Zusammenhalt manchmal vor allem ein erstaunlich zuverlässiges Netz aus Schuldgefühlen produzieren? Nicht wirklich. Immerhin geht es hier um jahrzehntelang geübte Kompetenz im Bereich „Wie bringe ich mein Gegenüber dazu, dreimal umzudenken, bevor es einmal handelt?“. Man sitzt, meist stumm lächelnd, am Tisch und fragt sich: Bin ich gerade wirklich undankbar, wenn ich das Angebot für das dritte Stück Kuchen ablehne? Oder reagiere ich über, wenn ich nach 30 Minuten Familienrat über mein Liebesleben höflich um das Thema Arbeitsplatzwechsel bitte?

Die Kunst der Abgrenzung – ein Drahtseilakt auf dem Sofa

Natürlich sind Grenzen ziehen und gleichzeitig ein Wir-Gefühl bewahren die hohe Kunst des erwachsenen Miteinanders. Doch wie gelingt das, ohne sich endgültig zum schwarzen Schaf zu deklarieren? Professionelle Strategen schwören auf Sätze wie „Ich verstehe deinen Standpunkt, aber…“ oder, für Fortgeschrittene: „Darüber denke ich nochmal nach“ – ein Codewort für „Lass mich damit in Ruhe“. Taktvoll Grenzen zu setzen, verlangt Nerven wie Drahtseile und ein subtil ausbalanciertes Repertoire an Ablenkungsmanövern – schließlich will man an Weihnachten keine Spekulatiuskrise auslösen.

Das Wir ohne Selbstaufgabe – ein unmöglicher Spagat?

Die Angst, sich selbst zu verlieren, ist ein ständiger Begleiter vieler Familienmitglieder – besonders derjenigen, die ohnehin schon für den Familienfrieden zuständig erklärt wurden. Denn so sehr man die Nähe schätzt, spätestens wenn fünf Meinungen zu einem Lebensentwurf aufeinanderprallen, sehnt man sich nach der einsamen Insel (oder wenigstens nach der eigenen Wohnungstür als symbolische Grenze). Der Trick ist nicht, alle Erwartungen zu erfüllen, sondern die eigene Individualität charmant durchzusetzen – so, dass beim nächsten Treffen niemand die Mikrowellenpizza statt des Weihnachtsbratens anbietet.

Werte, Loyalität und ein Hauch von Drama

Am Ende ist das Drama im Familienkreis alles andere als ein Makel. Es ist Teil des Deals. Mit jeder kleinen Grenzziehung, jedem widerborstigen Wunsch nach Privatsphäre wird die Familie auf ihre größte Herausforderung zurückgeworfen: echte Loyalität, die auch dann hält, wenn nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Der Balanceakt besteht darin, die Erwartungen der anderen als das zu würdigen, was sie sind – eben Ausdruck von Sorge, Liebe und der Weigerung, endgültig loszulassen. Familienbande sind damit keine Einbahnstraße, sondern ein ständiger Verhandlungsprozess auf Augenhöhe.

Warum das alles? Eine ganz normale Überforderung

Vielleicht ist es einfach Zeit, sich einen kleinen Beifall zu gönnen. Denn dass Familie nervt, ist nicht das Ende der familiären Verbundenheit – sondern der Beweis dafür, dass Nähe eben Arbeit erfordert. Und dass Missverständnisse, Reibungen und sogar die kleinen Dramen gar nicht wegzudenken sind, wenn wir echten Kontakt aufrechterhalten wollen. Die Familie bleibt eben ein Spiegel unserer Erwartungen, Wünsche und manchmal auch unserer ganz eigenen Grenzen.

In einer Zeit, in der Individualismus zur Tugend erklärt wird, gönnt sich die Familie einen festen Platz als Schule des »Miteinander-Trotzs«. Wer es schafft, inmitten von Liebe, Loyalität und gelegentlicher Schnappatmung standhaft zu bleiben, hat den Familienführerschein bereits in der Tasche. Es ist völlig normal, wenn Familie manchmal nur schwer zu ertragen ist – solange wir dabei unsere eigenen Grenzen erkennen, respektieren und ja: ab und zu sogar laut über das liebevolle Chaos lachen können.

   

Haben auch Sie eine Geschichte, ein Business oder ein Projekt über das es sich lohnt zu berichten? Schreiben Sie uns!

Mirabeau-Magazin - Lifestyle-Magazin für die Frau Frauenmagazin Frauenzeitschrift Mode Fashion Beauty Kosmetik Leben Partnerschaft Liebe Ernährung
Über Mirabeau 339 Artikel
Mirabeau ist ein Lifestyle-Frauenmagazin bzw. Lifestylemagazin für Frauen. Ein Special Interest Premium Magazin und Hochglanz Coffee-Table-Magazin für die moderne und selbstbewusste Frau. Auf MIrabeau liest Frau Interessantes zu den Themen Lifestyle, Magazin, Fashion, Beauty, Leben, Health, Travel, Reise, Living, Wohnen, Job & Business, Genuss, Liebe, Sex und Partnerschaft. Zu Restaurants, Essen und Ernährung. Freizeit, Familie, Kinder und Events und Entertainment. Sport mit Fitness, Wellness und Spa. Metropolitan Trends über Lifestyle aus und in den Größstädten dieser Welt wie New York, Los Angeles, San Francisco, Paris, Rom, Mailand, Madrid, Barcelona, Kiev, Moskau, Sankt Petersburg und London. Ein Magazin schillernd wie das Leben selber.