Die fabelhafte Welt der Erdbeere: Was wir wirklich alles damit anstellen können

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Was wäre die Sommerzeit ohne die alljährliche Exzesse im Zeichen der Erdbeere? Die Erdbeere, dieser rote Superstar unter den Beeren, hat unser aller Leben schon nachhaltig geprägt. Ob man will oder nicht – jedes Jahr findet sie wieder Einzug in unsere Supermärkte, Instagram-Feeds und die Herzen von Heimköchen, Tortenanbetern und Marmeladenaficionados. Doch das fatale daran: Es gibt kaum ein Lebensmittel, das so gnadenlos vielseitig missbraucht wird wie die Erdbeere. Die Frage ist nicht, was man alles aus Erdbeeren machen kann. Die Frage ist vielmehr: Was sollte man dringend unterlassen?

Die heilige Dreifaltigkeit: Erdbeeren, Zucker und Sahne

Lassen wir die Klassiker zuerst zu Wort kommen. Denn jede Diskussion um die Verarbeitung der Erdbeere beginnt natürlich beim Dreiklang: frische Erdbeeren, ein bisschen Zucker, ordentlich Sahne. Hier wird die Erdbeere noch zu schätzen gewusst – halb roh, zur Erdbeerzeit, am besten auf einer patchworkkarierten Tischdecke. Die Erdbeere als Naturell: urban, rustikal, aber stets ein bisschen überbewertet, denn irgendwo schwingt immer der unterschwellige Vorwurf mit, man dürfe Erdbeeren nicht einfach so vernaschen, sondern müsse daraus „etwas machen“.

Backen und das Streben nach Perfektion

Der Bedeutungsverlust der Erdbeere beginnt, sobald ambitionierte Hobbybäcker sie in ihre Backorgien einbeziehen. Kuchen! Torten! Cupcakes! Nichts, das die Erdbeere nicht schon aufgespießt und gebacken erlebt hätte: Man bemüht sich auch in Instagram-tauglicher Ästhetik, den Obstboden zu belegen und möglichst fotogene Schnittbilder zu produzieren. Dass die Erdbeere in manch synthetischem Tortenboden nur ein dekoratives Anhängsel ist, während darunter eine Sahnecremeschicht schlummert, die den Kalorienbedarf einer Kleinstadt deckt, verschweigt der Erdbeerliebhaber geflissentlich. Aber der Hashtag #Erdbeertraum muss sein.

Marmelade – oder der große Konservierungswahn

Ach ja, und dann Marmelade! Nichts schreit mehr „Ich bin der Guru unter den Früchten“ als Erdbeermarmelade. Jedes Jahr werden ungezählte Kilo Erdbeeren gekocht, püriert, in Gläser gestopft und mit personalisierten Etiketten versehen. Man beliefert Tanten, Nachbarn, Kollegen und jeden, der nicht rechtzeitig widerspricht. Dabei sprechen wir über einen Brotaufstrich, der in seinem Zuckergehalt mit Cola konkurriert. Die Vorstellung, die Erdbeerernte zu bewahren, hat dabei fast schon religiöse Züge angenommen. Wer keine Erdbeermarmelade kocht, steht gesellschaftlich kurz vor der Ausbürgerung. Immerhin kann man dem jährlichen Überangebot im Supermarkt so mit einem Marmeladekochtopf heldenhaft trotzen.

Smoothie, Salat und die Suche nach Sinn

Wem das alles zu bürgerlich scheint, der zaubert sich eben einen Erdbeer-Smoothie. Denn nur wer sein Obst trinkt, gilt als wirklich jung und urban. Alternativ darf die heimische Gastronomenelite mittlerweile auf die aufregende Variante setzen: Erdbeeren im Salat! So modern. So wild. Da werden Blätter und Beeren gemischt, als hätte es Caesar und Waldorf nie gegeben. Und jeder Bissen ist ein bisschen wie eine kulinarische Abenteuerreise zwischen Mut und Überforderung. Aber hey: Wer Erdbeeren im Salat akzeptiert, hat Food-Trend 2024 verstanden – oder wenigstens eindrucksvoll bewiesen, dass es bei Trends zu jeder Zeit ein bisschen um Geschmacklosigkeit geht.

Der große Erdbeer-Overkill

Doch nicht jeder Wandel ist Segen. Industrialisierung, Romantik und Künstlichkeit haben ihre Spuren hinterlassen. Wer einmal bei brüllender Hitze eine Erdbeerwurst auf dem Stadtfest probiert hat, weiß: Es gibt Grenzen. Kaum eine Frucht wurde mehr misshandelt – von Joghurts mit „Erdbeergeschmack“, die noch nie eine echte Beere gesehen haben, bis hin zu Lufterfrischern und Shampoo. Es lebt sich gefährlich, wenn eine Frucht zum Star sämtlicher Food-Innovationen wird. Die Quittung gibt’s spätestens im August, wenn niemand mehr Erdbeeren sehen kann und das Erdbeerfeld einsam darauf wartet, dass das nächste Jahr beginnt.

DIY und das große Erdbeer-Event

Hand aufs Herz: Wer hat noch nicht einen Erdbeerhof besucht, um mit schweißnassen Händen 3,7 kg Erdbeeren auszusuchen, nur um dann nach dem dritten Kilo zu merken, dass die Lust am Pflücken vorbei ist? Aber da die Erdbeer-Badewanne ja schon bereitsteht, muss gebacken, eingekocht und verschenkt werden, was das Zeug hält. Erdbeeren sind eben nicht nur eine Frucht, sondern ein gesellschaftliches Event. Wer dazugehört, muss mitmachen – und zwischen Marmeladenglas und Mixbecher Euphorie vorgaukeln. Egal, dass Erdbeeren zu 90% aus Wasser bestehen und der Ertrag in Butter und Zucker ohnehin verschwindet.

Vielleicht ist es gerade das, was die Erdbeere so besonders macht: Sie wird zur Projektionsfläche sämtlicher saisonalen Hoffnungen und kulinarischer Selbsterfahrungsreisen. Ein bisschen Chaos, eine Prise Größenwahn – und im Zweifel immer ein Lächeln auf den Lippen, egal ob beim Streiten um das letzte Glas Marmelade oder beim Bändigen einer Sahnespritze. Die Erdbeerzeit ist ein gesellschaftlicher Offenbarungseid, der uns daran erinnert, dass Genuss manchmal einfach nur die Erlaubnis ist, ein bisschen zu übertreiben. Vielleicht sollte man genau das aus der Erdbeer-Saison mitnehmen – und den Rest einfach entspannt aufessen.

   

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