Die beste Freundin – Seelenverwandte oder Projektionsfläche?

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Hand aufs Herz: Jede – und wirklich jede – hat schon einmal von einer dieser legendären besten Freundinnen geträumt. Die, die immer zuhört. Die dir beim dritten Liebeskummer deines Lebens Sekt mitbringt und tapfer so tut, als könne sie deinen Ex noch nie leiden. Oder die auf Knopfdruck mit schallendem Gelächter antwortet, wenn das Leben mal wieder eine besonders schlechte Pointe schreibt. Die Vorstellung klingt großartig. Blöd nur, dass Freundschaft zwischen Seelenverwandtschaft und psychoanalytischer Projektionsfläche oft schwankt – und mitunter mehr erfordert als blindes Verständnis und gemeinsamen Hang zu Trash-TV.

Der unfaire Freundschafts-Mythos: Mehr Disney als Realität

In der Popkultur wimmelt es von unzertrennlichen Duos. Anne Shirley und Diana Barry, Carrie Bradshaw und Miranda Hobbes – alles Besties, die ihre Konflikte innerhalb fünf Werbeblöcken lösen. In der echten Welt dagegen reicht oft schon eine Meinungsverschiedenheit beim Pizza-Belag, um das harmonische Gleichgewicht für Monate ins Wanken zu bringen. Woran liegt’s? Vielleicht daran, dass Freundschaftsklischees Erwartungen schüren, die niemand erfüllen kann – mindestens so überhöht wie das Versprechen, dass Gurkenwasser gegen Augenringe hilft.

Von Erwartungen und Realität: Zwischen Blindheit und Klartext

Seien wir ehrlich: Niemand kann permanent aufmerksam und liebevoll durchs Leben wandeln. Erwartet man von seiner besten Freundin ständige Unterstützung, Loyalität und allumfassendes Verständnis (idealerweise natürlich ohne eigene Befindlichkeiten), ist das ungefähr so realistisch wie ein Leben ohne Montag. Erwartungen an Harmonie und Konfliktfreiheit sorgen nicht selten dafür, dass unangenehme Wahrheiten unter dem vielzitierten Teppich landen – bis beide irgendwann darüber stolpern.

Die ehrliche Freundin: Anstrengend oder authentisch?

Vielleicht wäre das Leben leichter, wenn Freundinnen einfach sagen dürften, was wirklich Sache ist. „Du nervst grade.“ „Ich brauche Zeit für mich.“ „Nein, dein neuer Haarschnitt ist kein Befreiungsschlag, sondern eine Katastrophe mit Schaumfestiger.“ Doch so einfach ist es nicht. Denn Ehrlichkeit macht verletzlich – und setzt voraus, dass man Kritik auch aushalten kann. Dennoch: Was wäre, wenn echte Nähe nicht durch diplomatisches Schweigen entsteht, sondern durch mutige, aufrichtige Gespräche?

Projektionsfläche Freundin: Hauptsache, sie versteht mich?

Hand aufs Herz, die beste Freundin ist mitunter mehr Spiegel als Mensch. Wir erwarten Trost, wenn die Welt sich gegen uns verschworen hat, ein offenes Ohr bei jedem Drama und die Rettung aus emotionalen Erdrutschen. Dumm nur, wenn die Freundin eigene Bedürfnisse signalisiert – oder, noch schlimmer, sich nicht auf Knopfdruck für unsere Probleme interessiert. Dann wird aus der Seelenverwandten schnell eine Enttäuschung. Vielleicht ist es Zeit, die eigenen Erwartungen zu hinterfragen. Die beste Freundin sollte keine Projektionsfläche für unerfüllte Wünsche sein. Weniger Hollywood-Skript, mehr Menschlichkeit!

Freundschaft als Übungsfeld für echte Nähe

Man stelle sich vor: Frauen sprechen offen an, wenn Erwartungen zu groß werden, wenn ein „Nein“ angebracht ist und Harmonie nicht mehr hilft. Klingt nach Utopie, ist aber dringend nötig. Anstelle von unausgesprochenen Konflikten, die wie Schrumpfköpfe auf dem Regal lauern, lohnt der Versuch, Tacheles zu reden – ohne dabei gleich die Freundschaft zu kündigen. Authentizität statt Höflichkeits-Maske, das wäre mal ein revolutionärer Akt der emotionalen Hygiene.

Wie viel Nähe braucht es wirklich?

Wirklich überraschend: Freundschaft kann auch existieren, wenn man nicht alles teilt, sich nicht ständig versteht oder jede Nachricht binnen Sekunden beantwortet. Nähe wächst nicht durch Perfektion – sondern durch die Fähigkeit, Imperfektionen zu ertragen. Wer das erträgt, der hat beste Chancen auf eine langanhaltende Freundschaft… oder wenigstens auf die nächste ehrliche Weinrunde, wenn das Leben wieder zuschlägt.

Harmonie braucht Konflikt – ein Widerspruch? Natürlich nicht.

Stille Konflikte sind Gift für jede Freundschaft. Aber sie sind auch die Chance, gemeinsam zu wachsen und das Idealbild einer besten Freundin an die Realität anzupassen. Denn sind wir mal ehrlich: Die beste Freundin ist nicht perfekt. Sie ist anstrengend, fordernd, überraschend – und genau das macht echte Beziehungen lebendig.

Am Ende geht es doch um mehr als Vorstellungen oder romantische Ideale: Die Verbindung, die trotz Missverständnissen, unerfüllten Erwartungen und kleinen Dramen bestehen bleibt – eben, weil man einander sein lässt, wie man ist. Freundschaft ist keine perfekte Harmoniemaschine, sondern ein gemeinsames Abenteuer, das vor allem eins kennt: Echtheit. Also, beim nächsten Streit vielleicht nicht gleich nach dem Happy End suchen – sondern einfach mal zuhören, ehrlich sein und Freundschaft neu verhandeln. Das bringt zwar nicht den Oscar, aber immerhin ein echtes Wir-Gefühl, das jede Netflix-Serie alt aussehen lässt.

   

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