
Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Diejenigen, die Käse vergöttern, als wäre er der fünfte Aggregatzustand, und die, die sich bei dem bloßen Gedanken an schimmelbefallenen Milchquark ächzend abwenden. Für Letztere ist dieser Text—wie sollte es anders sein—ein Albtraum. Für Erstere hingegen ein Hochgenuss; oder zumindest ein Appetithäppchen voller Ironie und eines dieser seltenen Fundstücke, bei denen man sich fragt, wie ernst meint das hier überhaupt jemand?
Gorgonzola – Wenn Schimmel gesellschaftsfähig wird
Jahrelang haben wir alles daran gesetzt, Schimmel aus unseren Küchen fernzuhalten, ja ihn regelrecht zu verteufeln. Dann kam der Gorgonzola. Urplötzlich wurde das, was auf Omas Marmelade noch panische Schweißausbrüche verursachte, als Delikatesse gefeiert. „Edelschimmel!“, ruft der Connaisseur, während er sich demonstrativ genüsslich ein Stück des blaugrünen Labwerks in den Mund schiebt. Mit einem zarten Strahlen, das nur Italiener für vergorene Milchprodukte übrig haben, preist er Duft und Geschmack. Man fragt sich unweigerlich: Ist das noch Geschmackssache oder schon ein medizinischer Selbstversuch?
Parmigiano Reggiano – Der Käse, der alles besser macht (außer vielleicht Diäten)
Parmigiano Reggiano – der König unter den Hartkäsen. Er steht in jeder hippen Küche sofort griffbereit neben frisch gemahlenem Pfeffer und fancy Olivenöl. Seine Hauptaufgabe? Jedes Gericht verbessern – von der Pasta bis zum Rührei. Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, sie würden Parmigiano wegen seines „umami-ähnlichen Aromens“ schätzen. In Wahrheit hat noch niemand erfolgreich eine handelsübliche Menge davon auf ein italienisches Gericht gerieben, ohne den Rest der Woche an Durst zu leiden. Aber was tut man nicht alles für ein wenig Authentizität am Esstisch?
Brie – Der Inbegriff französischer Lässigkeit (und Unbestimmtheit)
Ah, Brie – diese cremige, träumerische Versuchung, die so tut, als wäre sie genauso raffiniert wie der französische Akzent eines Austauschschülers. Das Beste am Brie ist seine Vielseitigkeit: Will man elegant wirken, legt man ihn auf die Käseplatte. Will man dekadent sein, brät man ihn, füllt ihn oder „vergisst“ ein paar getrocknete Feigen daneben. Und natürlich gibt es Brie mit und ohne „Brotkruste“. Denn was wäre das Leben ohne eine kleine tägliche Debatte über Rinde – essen oder nicht essen? Francoise würde sagen: C’est la vie, n’est-ce pas?
Camembert – Der heilige Gral des geschmacklichen Wagnisses
Camembert. Schon allein der Name klingt nach „Ich bin besser als du.“ Denn, sind wir ehrlich: Camembert ist der Freund, der immer ein bisschen zu früh zum Raclette einlädt und dann so tut, als sei sein Aroma eine Offenbarung für die Menschheit. „Leicht erdig, etwas nussig, ziemlich nach Stall“ – das ist Aroma-Folklore für alle, die beim Salonabend den Eindruck tiefer Geschmackserkenntnis vermitteln möchten. Dass der Camembert aufgeschichtet in den Supermarktregalen sein wahres Ich oft erst nach Wochen im Kühlschrank offenbart, bleibt dabei der besondere Nervenkitzel.
Mozzarella und Konsorten – Die Unschuld vom Lande
Kaum zu glauben, aber auch unverdorbene Käse wie Mozzarella oder Burrata erleben ihr Comeback. Im Zeitalter von Instagram sind sie dank ihrer photogenen Fäden und der klebrig-sahnigen Konsistenz echte Stars geworden. Nur geschmacklich – da bringen sie den Esser immerhin immer wieder ins Grübeln: „Schmecke ich jetzt eigentlich was?“ Egal, ein paar bunte Tomaten und ein Schuss Olivenöl drüber, schon feiern wir den Mozzarella als Geschmackssensation – Hauptsache Büffel drauf und „original italienisch“ draufgeschrieben.
Roquefort – Die Krönung des olfaktorischen Übermuts
Roquefort, der Superman unter den Blauschimmelkäsen. Während normale Menschen sich nach dem Käsefondue dezent zurückziehen, fängt der richtige Käse-Fan erst an, wenn es so richtig zu riechen beginnt. Roquefort liebt man nicht, Roquefort erträgt man. Und obwohl er angeblich nach Schafmilch und Abenteuer schmeckt, müssen sich schon tapfere Nasen an ihn trauen. Das Besondere? Seine Aromenpalette reicht von „leicht animalisch“ bis „oh Gott, mach das Fenster auf“. Ein Fest für alle Sinne – und die Lüftungsanlage.
Aber ganz gleich, ob man beim Anblick eines bläulich-grünen Käsestücks Schauer verspürt oder das cremige Innere eines Bries ehrfürchtig zelebriert: Am Ende des Tages vereint uns alle die hoffnungslose Sehnsucht nach dem perfekten Biss – ein bisschen gewagt, ein bisschen dekadent, immer ein bisschen zu viel des Guten. Denn wer will schon normalen Käse, wenn es auch total durchgedreht (und ordentlich gereift) geht?
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