Geschwisterliebe zwischen Nähe und Konkurrenz

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Geschwister: Die mysteriöse Spezies, mit der wir unser Kinderzimmer (und leider auch jahrelang ein Badezimmer) teilen mussten und ohne die wir wahrscheinlich ein ruhigeres Leben geführt hätten. Doch sind wir mal ehrlich: Wer hätte uns sonst mit scharfsinnigen Analysen unserer peinlichen Kindheitsfotos erpresst, wenn nicht die eigene Schwester?

Zwischen herzlicher Umarmung und hinterlistiger Intrige

Kaum eine Beziehung prägt uns früher und nachhaltiger als die zu unseren Geschwistern. Von der innigen Allianz gegen die elterliche Diktatur, wenn es um Süßigkeiten ging, bis hin zum erbitterten Streit um das größere Stück Kuchen – Geschwister sind zum lieben, hassen, ignorieren und beneiden da. Und das eigentlich oft gleichzeitig.

Loyalität: Wenn nur Blut dicker als Wasser wäre

Unzählige Experten predigen: „Geschwister halten immer zusammen!“ – besonders dann, wenn sie grade mal keine Zeit haben, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Die Familienbande mag zwar untrennbar sein, ärgert jedoch umso nachhaltiger: Wenn Eltern im Nebenzimmer geduldig warten, dass „ihr das endlich ausdiskutiert“, ahnen sie meist nicht, dass Grundsatzdiskussionen zwischen alten Rollenmuster-Trägern und neuen Lebensabschnitts-Erwachsenen sich sowieso nur wieder im Kreis drehen. Loyalität wird mitgeliefert, aber leider nur zusammen mit schlechtem Gewissen, Eifersucht und einem Hauch permanentem Vergleichsdruck.

Alte Rollen, neue Dramen: Die ewige Rückkehr des schwarzen Schafs

Das schöne an Geschwistern ist, dass man auch mit 37 noch auf wundersame Weise wieder in die Rolle des großen Kümmerers, der Chaotin oder des ewigen Zweiten schlittert, kaum, dass man ein Familienfest betritt. Plötzlich spricht niemand von beruflichen Erfolgen oder dem eigenen Haus, sondern nur noch davon, wie Tante Ingrid damals die Gummibärchen gleichermaßen verteilt hat – und wie unser kleiner Bruder kam, sah und einfach alles genommen hat.

Und seien wir ehrlich: Die Vorstellung, „erwachsen“ nebeneinander zu werden, ist zwar nobel – scheitert aber zuverlässig am ersten Monopoly-Abend seit 15 Jahren.

Der feine Unterschied: Nähe oder Konkurrenz?

Klar, Geschwisterbeziehungen sind Dauerbaustellen. Die einen schaffen es, eine emotionale Symbiose mit täglicher WhatsApp-Korrespondenz zu pflegen (meist zum Leidwesen ihrer Partner), die anderen senden sich zum Geburtstag knappe „Alles Gute“-SMS – immerhin ein Zeichen respektvoller Distanz. Konkurrenz wird dabei häufig vererbt: „Sie war immer Papas Liebling!“ – Ein Klassiker, der nie aus der Mode gerät.

Sollten wir uns also schämen, wenn uns die vermeintliche Nähe manchmal die Luft abschnürt? Keineswegs. Wir sind schließlich keine Heiligen. Geschwisterliebe ist chaotisch und widersprüchlich. Und ja, der Wettbewerb um Liebe, Anerkennung und den besten Erbanteil ist integraler Bestandteil der Familienseele.

Warum Konkurrenz fest verwurzelt ist

Psychologen könnten jetzt stundenlang von Bindungstheorien und unbewussten Loyalitäten referieren. Wir merken uns lieber: Wer bei „Ich bin nicht das Lieblingskind!“ nicht sofort wild nickt, hat entweder nie Geschwister gehabt oder lebt in einer Schönwetter-Familienidylle, die dringend für Reality-TV gecastet werden sollte.

Konkurrenz ist der heimliche Kit jeder Geschwisterbeziehung – subtil oder beinhart ausgetragen. Und in seltenen, lichten Momenten kann sie sogar inspirierend wirken und uns zu den Menschen machen, die wir heute sind (inklusive leichtem Vertrauensproblem).

Erwachsen werden – gemeinsam oder geordnet nebeneinander?

Kann man die alten Gefechtslinien irgendwann friedlich bepflanzen, statt sie fortwährend mit emotionalen Granaten zu beschießen? Theoretisch, ja. Praktisch, wiederum, gibt es Grenzen der Diplomatie, spätestens wenn das Thema Familienurlaub oder Kindererziehung auf den Tisch kommt.

Doch genau hier liegt ein ungeahnter Schatz: Geschwister bieten die seltene Gelegenheit, den eigenen Umgang mit Nähe, Andersartigkeit und Grenzen zu trainieren – ein praktischer Crashkurs, der in keiner Volkshochschule angeboten wird. Klar werden wir nie vollkommen erwachsen nebeneinander sein, aber immerhin können wir uns bemühen, eine neue Qualität von Miteinander zuzulassen, in der nicht die Vergangenheit regiert.

Tipps für das Überleben unter Geschwistern

  • Reden (aber auch zuhören): Verhandelt Rollen neu, sprecht offen über alte Verletzungen und Erwartungen.
  • Distanzen respektieren: Nicht jeder braucht tägliche Nähe, um verbunden zu bleiben.
  • Vergleiche abbauen: Wer sich aus dem Ranking rausnimmt, lebt entspannter – und meistens sogar glücklicher.
  • Gemeinsames Feiern erlauben: Ja, manchmal macht es Spaß, sich gemeinsam an Kindheitsanekdoten zu erinnern – aber nur in homöopathischen Dosen.

Warum Geschwisterliebe manchmal unaussprechlich bleibt

Die großen, rührenden Worte sind selten zwischen uns. Stattdessen gibt es kleine Gesten, wortlose Vertrautheit, und das Wissen: Wenn alle Stricke reißen, weiß nur die Schwester oder der Bruder ganz genau, zu welchem Song wir heimlich weinen oder wie wir wirklich über die neuen Schwiegereltern denken.

Ob also Nähe oder Konkurrenz, Drama oder Frieden: Die Beziehung zu unseren Geschwistern bleibt eine lebenslange Reise durch beste und schlimmste Versionen von uns selbst. Und vielleicht gelingt es uns ja eines Tages, die alten Rollenschubladen zu schließen – zumindest für ein paar Tage, wenn das Familienfoto ansteht. Was bleibt, ist diese ganz eigene Form von Liebe, die nicht perfekt ist, aber mit niemandem sonst so ungefiltert geteilt werden kann: unsere Geschwister.

   

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